Bewegen

Pastorin Ina Brinkmann BEWEGEN

Wer nicht anfängt, wird nicht fertig

Was immer ich wünschen und bewegen kann, will ich versuchen. Ich habe keine Lust mich dabei zu enthalten. Wozu? Es bringt einem doch nichts ein. Was mir an Aufgaben und Vorhaben entgegen kommt, das will ich auch packen. Für Menschen jeden Alters und ihre Belange.

Die Glockenwerkstatt in St. Michaelis, Hamburg
Schule im Turm

Im Jahr 2000 wurde in St. Michaelis Hamburg die Jahrtausendglocke geweiht. Das war nicht nur ein Ereignis für den Hamburger Michel und seine Gemeinde, sondern auch für ganz Hamburg. So entstand bei mir die Idee eine Glockenwerkstatt zu entwickeln. Zusammen mit einem mehrköpfigen Fachteam wurden sieben Lernstationen mit vielerlei Methoden für Grundschüler/innen erarbeitet. 322 Stufen hoch, auf dem siebten Boden des Glockenturmes, konnten die Schulklassen im Hamburger Michel einen Projektvormittag lang forschen und erkunden. „Wie entsteht eine Glocke?“ oder „Wozu läutet eine Kirchenglocke?“ oder „Welche Glocken gibt es in anderen Religionen?“ Solche Fragen gehörten ins Erkundungsprogramm. Innerhalb weniger Wochen meldeten sich 140 Schulklassen aus ganz Hamburg an. Wenn diese Kinder jetzt eine Glocke läuten hören, dann werden viele von ihnen genauer hinhören und den Klang nicht nur als Straßenlärm empfinden.

Inzwischen ist die Glockenwerkstatt mobil und kann beim Pädagogisch-Theologischen Institut Hamburg ausgeliehen werden.

„offene kirche“ Hamburg
Wir wollen nichts von Ihnen. Wir haben was für Sie.

Die „offene kirche“ war in den Jahren 2002 bis 2008 nach der Volkshochschule mit jährlich rund 800 Kursen die zweitgrößte Anbieterin von Bildung für Frauen und Familien in Hamburg. 180 Dozenten sorgten für ein vielfältiges Programm von Vorbereitung auf die Familie, Erziehung, kreatives Gestalten, Religionspädagogik, Gesundheit, über Müttergenesung bis hin zu Beratung und Lebensbewältigung. Sie war eine Einrichtung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Hamburg.

Als Leiterin dieser Bildungseinrichtung war es mir wichtig, zusammen mit dem engagierten Team das „andere“ Programm zu entwickeln und anzubieten. Für mehr Leichtigkeit und Gelassenheit im Leben. Menschen sollten in den Kursen unterstützt werden, Mut für sich zu entwickeln. Sie sollten lernen zu sich selbst zu stehen und mit anderen zusammen zu wachsen. Die Gemeinde auf Zeit in der „offenen kirche“ Hamburg sollte als ein Plus für sich erlebt werden.

Mittlerweile ist die „offene kirche“ Hamburg aufgegangen in der Ev. Familienbildung Hamburg.

Engel für Straßenkids –
Charity von Hamburger Kindern für Hamburger Kinder

Nicht nur in Bangladesh oder Rumänien leben Kinder auf der Straße. In Deutschland schätzt man, dass ungefähr 20.000 Minderjährige zwischen Bahnhöfen und Bushaltestellen arbeiten und leben. In Hamburg ist es der Verein Basis e.V. in St. Georg, der sich um Hamburger Straßenkinder kümmert.

Mit dem Charity-Projekt „Engel für Straßenkids“, initiiert von Susanne Willke und der Firma susawill und unter der Schirmherrschaft der NDR-Moderatorin Bettina Tietjen sammelte die „offenen kirche“ Hamburg im Mai 2005 Geld für diese Kinder.

Hamburger Schulklassen beteiligten sich an dem Malwettbewerb. Die Kinder sollten ihren Lieblingsplatz in der Hansestadt malen.

Eine Jury, in der unter anderem Stararchitekt Hadi Teherani und Propst Karl-Günther Petters saßen, wählte aus den Einsendungen fünf Motive für T-Shirts aus. Diese Shirts, von Tom Tailor gesponsert, wurden dann in limitierter Auflage von 999 Stück produziert.

Der Schauspieler Til Schweiger und seine Frau Dana kauften bei einer Präsentation mit NDR-Moderatorin Bettina Tietjen im Hotel Gastwerk die ersten vier T-Shirts von „Engel für Straßenkids“ für ihre vier Kinder. Gleichzeitig wurden die fünf jungen Preisträger des Malwettbewerbs „Hamburg – mein liebster Platz in unserer Stadt“ prämiert.

In vielen Läden und Verkaufstellen Hamburgs gab es die T-Shirts dann zu kaufen. Der Erlös ging an den Verein Basis e.V. in St. Georg. Es kamen 4.400 Euro für diesen guten Zweck zusammen.

Marientaler Lübecks – „Gott ist und bleibt umsonst“

Es war keine leichte Entscheidung für den Kirchenvorstand von St. Marien mit mir als der Vorsitzenden. Die Prognosen der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD) geben an, dass sich die Kirchensteuern bis zum Jahr 2030 im Bundesgebiet halbieren werden. Also war es endlich Zeit etwas zu tun für die Erhaltung der größten Backsteinkirche Europas. Seit fünf Jahren war gerungen und gehadert worden, was zu tun sei gegen die Ebbe in der Gemeindekasse. Im April 2009 endlich war die Zeit reif. Der Marientaler wurde eingeführt.

Kirche und Geld. Das ist ein heikles Thema. Entsprechend hoch waren die Wogen in der Öffentlichkeit. In der Republik. Sogar weltweit. Die eigentliche Brisanz liegt aber darin, dass man pauschal Kirche mit Gott gleichstellt. Gott und Geld, das geht dann natürlich für viele gar nicht. Die Leute assoziieren: Ich muss für meinen Glauben bezahlen.

Das ist aber falsch gedacht. Denn Gott ist und bleibt umsonst. Niemand muss für sein Seelenheil zahlen. Auch in St. Marien zu Lübeck nicht.

‚On Air’ im ZDF am Zweiten Advent 2012 aus dem Meldorfer Dom

Dass knapp eine Million Zuschauer am 9. Dezember 2012 den ZDF-Gottesdienst aus dem Meldorfer Dom an ihren Fernsehern mitfeiern würden, hatte das sechsköpfige Vorbereitungsteam nicht erwartet. Zusammen mit der EKD-Beauftragten Pfarrerin Elke Rudloff hatte es zuvor Monat für Monat den TV-Gottesdienst intensiv vorbereitet.

„Gott will im Dunkeln wohnen“ lautete das Thema. Der Choral „Die Nacht ist vorgedrungen“ von Jochen Klepper, einem der bedeutensten deutschen, protestantischen Lieddichtern, stand im Zentrum der Dreiviertelstunde.

Angesprochen wurde ich von Pfarrerin Rudloff noch während meiner Tätigkeit in St. Marien zu Lübeck, ob ich es mir nicht vorstellen könne, einmal für die Fernsehgemeinde zu predigen. Ich wechselte dann von der Ost- and die Westküste Schleswig Holsteins. Und so kam das ZDF in die Kirchengemeinde Meldorf und an den Meldorfer Dom.

Jobtausch mit Bettina Tietjen, DAS! Magazin im NDRFernsehen

Freitag abends im Februar sitze ich etwas müde auf der Coach. Es ist Talkshow-Zeit. Kult im Pastorat. Dieses Mal „Tietjen und Hirschhausen“. Dabei der Aufruf von Bettina Tietjen: Wenn Sie möchten, dass ich einen Tag lang mit Ihnen Ihren Job tausche, mailen Sie uns.

Da werde ich wieder hellwach. Das wäre doch eine super Werbung für den Meldorfer Dom und unsere tolle Kirchengemeinde. Spontan greife ich zum Laptop und schreibe sofort ein paar kurze Zeilen. Na, das wird womöglich doch nichts. Bei den vielen Zuschriften, die da wohl beim NDR eingehen werden. Aber versuchen kann man es ja.

In der Woche vor Ostern kommt ein Anruf aus der Redaktion, ich hatte schon gar nicht mehr an meine Mail gedacht. „Frau Tietjen hat sich entschieden und möchte gern mit Ihnen den Job tauschen“, erzählt mir der freundliche Redakteur. „Sie hat sie unter den 1100 Zuschriften ausgewählt.“

Ein knallvoller Arbeitstag war es dann schließlich, als Bettina Tietjen „Pastorin für einen Tag“ in Meldorf war. Kinderkirche im Nindorfer Kindergarten. Marktandacht im Dom. Besuch einer Geburtstagsjubilarin im Epenwöhrdener Familienkreis. Ehrung der ehrenamtlichen Leistung im Gemeindehilfswerk. Eigentlich ein ganz normales Pensum einer Gemeindepastorin. Und mit Pressevertretern und Fernsehteam im Gepäck.

Dass auch eine versierte Fernsehfrau dabei aufgeregt sein kann, die ja nun wahrlich das Handwerk der Kommunikation drauf hat, fanden viele aus der Kirchengemeinde sympathisch und ehrlich.