Can-ta-re … Oh-ho-ho-ho …

Gott zu loben angesichts all dieser Hiobsbotschaften in der Welt, in Deutschland, nebenan, wie soll es gehen? Krise überall. Terrorwarnungen an europäischen Stränden für die Sommerzeit. – Oder anderes Thema, auch nicht gut: Die, die jetzt Mitte fünfzig sind, werden kaum noch eine Rente haben, die reichen wird. – Oder hier noch etwas anderes: Das Mädchen von nebenan wird ins Jugendheim bugsiert, weil der Vater nicht mehr klar kommt mit ihr. Krise allerortens. Ich mag’s schon nicht mehr hören geschweige denn hingucken. – Und doch, Gott loben? Klingt wie eine schlechte Satire, oder? Der kommende Sonntag „Kantate“ – zu Deutsch: Singt dem Herrn – gibt es uns aber auf. Wollen wir es mal mit ein paar Gedanken wagen, darüber nachzusinnen, was es bedeutet, in diesen Zeiten Gott zu loben?
Musik liegt also in der Luft. An den Lagerfeuern. In der Kirche. Bei Festen. Beim Arbeiten. In der Badewanne. Am Abend. Einfach so. Einfach so? Ja, einfach so. Und fang an zu singen und stimme mit ein, damit die falschen Töne dieser Erde weichen. Fang an zu singen, wenn jetzt wieder ganz unverhohlen Hasslieder gesungen werden. Singe du und sage damit dein NEIN. Mit deinem Lied auf den Lippen sage NEIN.
Komm, lass uns ein Lied anstimmen. Lass uns singen für diese Verrückten. Für die, die zur Seite umgeknickt sind. Die womöglich nach vorne fallen und kein Rückgrat haben. Die auf den Straßen grölen und die Fäuste ballen. Lasst uns Lieder singen. Aber eher die leisen. Weil die länger währen als alles Laute und Schnelle. Damit wir Hoffnung durch die Zeiten tragen. Und nicht die Schrecken.
Lasst uns auch Lieder singen für die, die an den Imbisstheken stehen. Die sich nicht drängen, weil sie sich gar nicht nach vorne drängen mögen. Lasst uns singen, weil sonst niemand auf sie achtet. Weil sie über dreißig Jahre an der Drehbank gestanden haben, redlich ihren Mann gestanden haben. Und die jetzt nichts weiter haben. Vielleicht reicht es mal gerade für ein Bier – so außer der Reihe. Lasst uns auch für diese Lieder singen.
Und für das Mädchen nebenan möchte ich singen. Weil sie sucht und doch nicht das richtige findet. Nicht bei sich zuhause. Bei dem Vater. Nicht bei den Freunden. Bei den falschen Freunden. Die sich durch ihr Leben schiebt mit ihrer wunden Seele. Wie so viele dieser Vierzehn- Fünfzehnjährigen.
Sing mit mir ein Lied. Auf dem Sportplatz. Oder hier im Dom. Statt dass wir reden und reden und reden oder gar streiten. Statt dass wir fernsehen mit all den Gräuelmeldungen. Lasst uns zusammen rücken in der Kneipe nebenan. Nicht nur zu Weihnachten. Nein. Überall. Immer wieder.
Sing. Allein. Mit anderen. Und vertreibe damit die Nacht in deinem Herzen. In dieser Welt. Es müssen keine Choräle sein, damit du das ablegen kannst, was dich bedrängt. Damit du deine Hoffnung immer wieder aufpolstern kannst. Statt uns an den Ängsten aufzureiben, lass uns lieber Lieder singen. Und wenn nicht singen, doch dann wenigstens summen. Damit die Melodien unter uns erklingen wie Boten aus guten Zeiten.
Alle diese Töne mögen dann wie ein Band sein, das uns Menschen verbindet. Und – darin steckt mehr Lob Gottes, als du denkst. Also bring dich ein und bringe Musik in die Luft. An den Lagerfeuern. In der Kirche. Bei Festen. Beim Arbeiten. In der Badewanne. Am Abend. Einfach so.
Denn so geht’s: Die Frommen sollen jubeln zur Ehre des HERRN. Lobpreisungen für Gott führen sie in ihrem Mund wie ein zweischneidiges Schwert in ihrer Hand. So zeigt sich sein Glanz in der Welt. (Aus Psalm 149)
(Marktandacht am 22. April 2016 im Meldorfer Dom)
Foto: Graphistock

Teile diesen Beitrag
Schlagworte: , , , , , , , ,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Sie müssen den Bedingungen zustimmen, um fortzufahren

Menü